Donnerstag, 28. Juni 2012

Noch einmal

Spät am Abend kommst du heim du
schließt die Wohnungstüre auf legst
deine Tasche in die Ecke ziemlich müde
trinkst du ein Glas Rotwein auf dem

schwarzen Sofa liest noch ein paar Zeilen
deine Bilder an den Wänden Spiegel der
Ereignisse die neuesten im Bad beim
Umziehn findest du ein Haar von mir du

hebst es auf und denkst darüber nach
was neulich wir erlebten hier und in
dem Nestgemach das unsre Stimmen
federte die Decken auf und abgewühlt

als unsre Hände Zungen Körper
ineinanderwuchsen salzgebadet wir uns
unterhielten über alles was uns wichtig
war du wolltest es dann noch einmal...

Mittwoch, 27. Juni 2012

Solebad

Sommermorgen
die zarte Leinenbluse
zwischen den Zeilen

Deine starke Hand
meinem Körper folgen
Spuren der Sinne

Wir tauschen Küsse
nicht mehr wissen, wem sie
einmal gehörten

Dein weiches Haar
eingraben ins Federbett
blitzende Schenkel

Ich sauge mich fest
an dir mit Greifbeinen
gemeinsames Mahl

Zweimal Pause
dein leuchtendes Gesicht
vor dem Solebad

Montag, 25. Juni 2012

Passend

Dein Mannsein
nüchtern
vornehm
freundlich
sanft
zerbrechlich
feurig
nehmend

machst du
passend

Bilder

Erinnerung
entflammt
goldne Bilder
entzünden sich
ein Lauffeuer
das in der Ferne
einen Bach
überspringt

in den Schattentälern
des Vollmondes
finden wir uns

zwischen
den Teichen
sagen wir Ja
zu uns



Regentropfen

Aus unserem Garten
pflückten wir
Regentropfen
und banden sie
ein Silberstrauß
der das Aroma
dreier Tage trägt
Tage
des keimenden
Gartens
Leben regt sich
im Innern
runder Tropfen

Freitag, 22. Juni 2012

Genuss

Ich genoss
deine freundlichen
Botschaften

Ich genoss
dein Begehren
an mir

Ich genieße
das Zusammenwachsen
von uns


Schönes Haus

Mit unsichtbarer Hand
führtest du mich
uns gefiel
die gleiche Landschaft
das schöne Haus
in seinem Licht
unter dessen Schein
bestaunten wir den
Vollmond
fassten uns
an Händen
ich musste dich
umarmen
und wir küssten uns
betraten
eine unsichtbare Brücke
am anderen Ufer
in einem neuen Schein
wurden wir
Liebende...

Mittwoch, 20. Juni 2012

Erkundungsgänge

Erkundungsgänge
die Zungen tauchen tief ein
Grund eines Teiches

Farne

Bequemes Lager,
Farne kitzeln Nasenspitzen
Mücken auf den Knien

Regen

Nach dem Landregen,
Tropfen durchdringen das Tuch
keimende Schwüle

Montag, 18. Juni 2012

Weiße Seeros

Aus dem Zug direkt uns gegenüber fielen
wir uns in die Arme eine Stadtplanreise in
den Wendehammer und zurück zu einem
Bauplatz der Historie die alte Mühle und das

Straßenende neben Teichen dunkeltals und
feuchtgekühlt die Farne kitzelten und zwischen
ihnen lag ein roter Federpinsel der sich seiner
Schönheit wohl bewusst das Siliherz recht

ansehnlich doch jener transparente Finger
ling ergötzte uns doch brauchten wir nicht
fremde Götter wir genügten ganz uns selbst
im Salvatorekeller wuchsen uns Antennen aus

den Händen griffen tasteten und hielten
Zungen unsrer Münder stießen rhythmisch
formten heiße Takte die zum Tanze animierten
Näher hieß er und du führtest meine Hand

zu dir schon war ich du und du warst ich
und der Altar vor dem du knietest oh ein
Habicht wurdest du und nahmst die Gabe
des geweihten Tisches ein in festen wenigen

Impulsen deine Zauberworte sprachen einen
Balsamsegen deine zarte Hand erlöste mich
versank in einer weißen Seeros seitdem
heiße ich Nymphea bleich mein Leib doch

das Gesicht und Arme hat die Sonne schon
geflutet wie du mich betrachtetest so
leicht verwundert wir den Atemhauch
verfolgten der sich in den Nieselregen

legte doch die kleine Stube wärmte die
Geschichten aus der Jugend und den
letzten Jahren bis zur Abfahrt unsres stillen
Winkens in die Mitte unsres Lebens.

Dienstag, 12. Juni 2012

Spazieren...

In meiner Nähe
erwachtest du, die Blicke
gingen spazieren...

Dreißig Jahre

Ohne zu suchen
fand ich dich - dreißig Jahre
war die Hoffnung alt

Erdbeermilch - Dreizeiler

Süße Erdbeermilch
unsere Gespräche vom
Planen und Handeln...

Kurzbotschaften I

In einem Monat
dreihundert Kurzbotschaften
jeweils
kettenweise Wohltaten
gefädelt und gebunden
in Geschmacksrichtungen
die neu komponiert
auf der Zunge
zu einem Kichern
verpufften.

Montag, 11. Juni 2012

Handykonto - Dreizeiler

Handykonto leer
in wenigen Stunden
füllen mein Schmunzeln

Tastbar - Dreizeiler

Fingerspitzen
Sehnsucht nach tastbaren
Antworten

Schließe - Dreizeiler

Dein Gesicht ganz nah
ich schließe meine Augen
Mund in Erwartung

Berühren

Wenn wir uns
erst berühren
fließen Ströme
die uns lustgesteuert
zueinander führen
aneinander
gleiten lassen
formen und wachsen
die sich
verschlingen 
in einen Leib.

Samstag, 9. Juni 2012

Sitznachbar - Dreizeiler

Linker Sitznachbar,
unsere Oberarme
berühren sich leicht

Wasser - Dreizeiler

Wasser spritzt zum Licht
Tauchen ins kühle Schweben
niemandes Wolken


Das Licht verlöscht bald
ich nehme dich einfach mit -
liegst im Wasserbett


Meer von Gefühlen
mit dir planschen - Strandnähe:
unsere Wohnung

Freitag, 8. Juni 2012

Stiller Garten - Dreizeiler

Im stillen Garten
der Allmächtige raschelt
Lächeln vor Augen

Nächtliche Spielzeit
für neugierige Finger,
ein Budenzauber...

Nächtliches Rauschen
steigt aus dem dürstenden Blau
wir trinken uns leer





Kamin - Dreizeiler

Vor dem Kamin
im Schein zweier Kerzen
züngelnde Flammen

Vollmond - Dreizeiler

Heimlicher Tanz
auf moussierenden Wogen -
Vollmond hält Venus

Oh, deine Blicke
umkreisen meinen Körper,
ich will nicht fliehen...

Die knarzende Bank,
keine Heimstatt für ein Paar -
fahler Mondenschein

 

Dienstag, 5. Juni 2012

Entdeckten

Unter dem grauen
Betonzelt
dein verhaltenes
Lächeln
Greis und Kind
im selben
Moment

in dem ich
die gespreizten
Finger
an deinen
Rücken legte
neben dem
Vollmond
die Sterne
erst später
entdeckten

wir uns
schweißgesalzen
bevor du mir
am andern Tag
entkamst.

Spargel

Die dicken
nackten Stangen
bereit zum Schälen
doch eigentlich
zu üppig
um sie lediglich
zum essen anzubieten
ein Geschenkband
misst den
dicksten Knaben
stolze sechzehn Zentimeter
seine Umfangshaut
wie geschaffen
um ihn vorzukosten
hart und kühl
ist sein Geschmack
er würde gerne
ganz
gegessen werden
langsam
steigen seine Grade
und ich
ziehe ihn hervor
sein feuchtes Kleid
wird abgewaschen
am Mittagstisch
hat er sich
nicht verraten...

Montag, 4. Juni 2012

Flüsterflügler

Eingetaucht in Silberschweife nur ein
kleiner Tropfen sirrte rund im Seiden
kleid an Himmelsnacht entlang geweihtes
Haus am Hügel fernhinsichtbar und die

Schwester einer Burg bevölkert wegen
ihres gloriosen Scheins zuviel des Lichts
verursacht Mondenbrand wir zogen uns
zurück hinter die vertikalen Staffelsteine

unter Lindenbäume deren Duft uns
schirmte und mein aufgeknöpfter Rock
die Decke mehr war nicht erforderlich
in jener Sommernacht um kleine Schwärmer

anzulocken Flüsterflügler Lächelfalter
Federkehlchen Nachtlibellen tanzten
Tango auf Gesichtern und auf jenen
Hautgebieten die den Sternen vorbehalten

bleiben Feuchterfreuer Ringelwickler
tauchten tief in die Gefilde ein die sonst
doch nur der Neumond sieht wir griffen
ihm mit uns voraus er lag in unsrer Hand.

Wohnung

Der Hauch des Flügelschlages
eines Schmetterlings versetzt
die Zeit in Wellen die an einem
Abend meine Wangen streichen

eine Stimme fernen Lächelns
höre ich und in mein stilles
Labyrinth in das nur selten das
Geräusch des Herzschlags dringt

bist du gefolgt Gedankengängen
eine Wohnung hast du hier
gefunden die ich selbst noch kaum
betreten hab und barfuß lege ich

den roten Sand in neue Falten von
den Wänden hallt das Flüstern meiner
Arbeit wider in den Nischen eines
Schlafraums blühen Mondviolen deine

Hände die die Stirn entfalten gleichen
einer Lilienknospe die nach einem
langen Regen sich entrollt zu
jenem wundersamen Garten.

Spätlese

Nach unermüdlichen Weg
gabeln tagten wir
in Dämmerwänden
bis das Haarkleid
letzten Tau im Untergang
gefeiert und unser Licht
in Radixküssen
gar verlosch

nach der Spätlese
gabst du mir einen Namen
im Schatten des Ginster
fuhren wir auf der Erde
die Kreise nach
unser stärendes Umweben
auf den Jungferninseln

das Mutgeld teilten wir uns
unter der Hand
denn wir waren einig
den queren Pazifik
zu unseren Füßen
nahm ich meinen
Namen dankend an.