Freitag, 29. März 2013

Martini

Das Hügeleis gestoßen
in den offnen Kelch gelegt
Möchtest du meinen Martini
genussvoll gerührt oder
kräftig geschüttelt?
Hm, zunächst sehr sanft
gerührt mit deinem Silberstab
das zweite Glas geschüttelt
und verwirbelt dass ich
eingeschenkt dann kaum mehr weiß
wo obenuntenrechtsundlinks
du dich an mir zerfließt.

Sonnenhell

Besucherin war ich in diesen Räumen
die Kunst und Studium bewohnen
er zeigte dem Studenten wie auf Papier
das Licht die Nase küsst und sich 


die Oberlippe in den Schatten wendet
die Kontur war noch ein wenig eckig
doch für eine Karrikatur war das Bild
nicht schlecht ich fand mich mitten


im Gespräch die sonnenhellen Haare
des Dozenten lockten obendrein und
als er mir im andern Zimmer etwas
zeigen wollte legte er den Arm um 


meine Schulter und am Rückweg
wiederholte er die Geste als ich gehen
musste sah er mich bedeutsam an
umarmte mich und küsste meine Stirn


ich seine zarten Lippen plaudernd
ging er noch mit mir den Gang entlang
und flüsternd engumschlungen lud
er mich zur Feier seines Festtags ein.


Dienstag, 12. März 2013

blume I

der regen bin ich
niederschlag
und auflösung

du öffnest deine hand
einer blume gleich
bereit

ich regne
auf fingerspitzen
nur flüchtig

geduldige blume
erwartet den fluss
meines regens

ich ströme zu dir
mitten in deine
hand

sie umfasst meine
ich liege in ihr
der regen lässt nach.

Samstag, 9. März 2013

Milch und Honig

Führe mich aus dem weiten Land der
arbeitsbeherrschten Knechtschaft
getaktet nach fremden Bedürfnissen
florierenden Globalwirtschaftens

durch die Wüste heillosen Verderbens
der massenmedialen Einlullungen
trockengelegter Gehirne und Gemüter
Mägen der Genussucht verfallen

in die Ebenen und sanften Hügel
grünblühend und zwitschergetarnt
Äste und Zweige beiseite geschoben
legen wir neue Tiefen auf das Moos

feiern unsere Quellen liebesgespeist
und dankerfüllt legen wir Finger hin
du lässt meinen Honig sich entfalten
lockst und kostest mit deiner Zunge

tritt er aus der Blüte die im Dunkel steht
du stillst mein Heimweh nach hierher 
und sättigst mich mit deiner Wurzel
Lautmalereien und mit deiner Milch.



Dienstag, 5. März 2013

Einmal noch

Nur einmal noch
besuchte ich dich
in deiner Wohnung
wir sprachen
gar nicht über uns
bestimmt
hast du noch
nachgetrauert
wir redeten
über die neue Zeit
du legtest zärtlich
deine Hand
auf meine Schulter
und gabst mir
einen sanften Kuss
ich saß in einem Karussell
und schloss die Augen
denn es hob gerade ab
wie eine Hummel
als Tröpfchen Tau
saß ich im Pelz
des rundlichen Insekts
und hielt mich fest
an dir
ich wollte nicht
noch weiter fliegen
nur bis hier
bis dort
und du verstandst
wir tranken plaudernd
unser Glas Silvaner
ließest mich dann gehen
nie wieder
hab dich
gesehen.